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TK-Gemeinschaft
Satzung (Foto: Bohbeh/shutterstock.com)

Vorstellung des Hautkrebsreports 2019

Statement Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse

Berlin, 29.05.2019. Mit rund einer Viertelmillion Neuerkrankungen ist Hautkrebs nach wie vor die verbreitetste Form von Krebs in Deutschland. Während der weiße Hautkrebs als weitgehend ungefährlich gilt, handelt es sich beim schwarzen Hautkrebs um eine ernsthafte Erkrankung. Diese endet unbehandelt tödlich. Bei den meisten Neuerkrankungen geht es um den hellen Hautkrebs. Jede siebte Hautkrebsneuerkrankung ist allerdings auf ein malignes Melanom, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs, zurückzuführen. Während Frauen auffallend häufig im Alter unter 60 Jahren an schwarzem Hautkrebs erkranken – wir sprechen hier vom so genannten Sonnenbankknie - tritt das maligne Melanom bei Männern zumeist im Alter von über 65 Jahren auf.

Interessant ist, dass Hautkrebs regional unterschiedlich häufig in Deutschland auftritt: Eine höhere Prävalenz wurde in Kreisen gefunden, in denen ein höherer sozioökonomischer Status, eine ältere Bevölkerung und - beim hellen Hautkrebs - eine größere Verfügbarkeit von Dermatologen zu verzeichnen ist. Insgesamt verzeichnen wir in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen: So nahm der helle Hautkrebs zwischen 2009 und 2015 um 53 Prozent zu, der schwarze Hautkrebs um 35 Prozent.

Die Datenlage ist bundesweit ungeordnet
Die Zahlen zeigen es: Hautkrebs ist keinesfalls zu unterschätzen und oftmals der Auslöser für metastasierenden Krebs und eine lange Krankheitsgeschichte. Aus diesem Grund ist uns der Hautkrebsreport ein so wichtiges Anliegen. Wir wollen aufklären, für das Thema sensibilisieren und zusammen mit unseren Forschungspartnern, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Bremen einen umfassenden Einblick in dieses wichtige Thema geben. Hochrechnungen aus Versichertendaten, Forschungsergebnisse des UKE und Erhebungen des Robert-Koch-Instituts bilden die Zahlenbasis des Reports.

Hautkrebs ist heilbar – wenn er früh erkannt wird!
Hautkrebs ist - früh erkannt - eine heilbare Krebserkrankung. "Früh erkannt" ist dabei elementar: Unser Report stellt fest, dass jährlich nur rund zwanzig Prozent der gesetzlich Versicherten zum Hautkrebs-Screening gehen. Die Menschen in Deutschland sind Früherkennungsmuffel. Dabei übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr – die TK sogar ab dem 20. – alle zwei Jahre die Kosten für die Untersuchung. Diese nimmt wenig Zeit in Anspruch und ist auch nicht schmerzhaft.

Das Hautkrebs-Screening kann sowohl von Haus- als auch von Hautärzten vorgenommen werden. Die Versicherten nehmen beide Arztgruppen ungefähr gleich in Anspruch. Die Alters- und Geschlechtsverteilung der Inanspruchnahme der Früherkennung geht in weiten Teilen mit der Risikoverteilung des Hautkrebses einher. Frauen nehmen bis zum Alter von 74 Jahren das Screening häufiger in Anspruch als Männer. In den Altersgruppen darüber gehen dann die Männer häufiger zur Untersuchung. Allerdings ist die Verlässlichkeit auch zu großen Teilen von der Erfahrung des Untersuchenden abhängig. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird die Ärzte hier in Zukunft sinnvoll unterstützen können.

Moderne Technik hilft Ärzten bei der sicheren Diagnose
Eine Studie des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg zeigt, dass mit Hilfe moderner Bilderkennung und lernenden Computersystemen Hautkrebs heute in schon sehr frühen Stadien erkannt werden und dies den Therapieerfolg deutlich erhöhen kann. Der Einsatz dieser Technologie in deutschen Arztpraxen wird jedoch noch seine Zeit brauchen. Künstliche Intelligenz und Telemedizin werden Ärzten in Zukunft helfen, ihre Diagnosen sicherer zu machen und ärztliche Versorgung auch in strukturschwache Räume zu bringen. Angesichts der sich rasant entwickelnden Fortschritte in der digitalen Bilderkennung kann heute eine deutlich verbesserte Befundung mithilfe von Computersystemen vorgenommen werden. Die zunehmende Leistungsfähigkeit digitaler Systeme wird die medizinische Welt verändern, keine Frage. Ein höheres Maß an Diagnosesicherheit und eine verbesserte Versorgungsqualität sind große Mehrwerte für den Patienten. Das gilt insbesondere für ländliche Regionen mit einem Mangel an Dermatologen. Unser Innovationsfonds-Projekt „TeleDermatologie“ in Mecklenburg-Vorpommern zeigt, wie strukturschwache Räume von App-gestützten Anwendungen profitieren können, um dem Fachärztemangel zu begegnen und eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.

Entscheidend ist dabei jedoch: Keine Technik wird den Arzt ersetzen können. Seine Beratung, seine Fürsorge und das persönliche Gespräch müssen weiterhin höchste Priorität haben. Technik kann ihn aber sinnvoll unterstützen und ihm Arbeit abnehmen. Das wird in Zukunft die Rolle des Arztes ändern: Er wird durch die Technik bei der Diagnostik unterstützt und kann mehr Zeit für die Beratung und die Therapieentscheidung aufbringen. Und er wird natürlich -gemeinsam mit dem Patienten - für die Wahl und Umsetzung der therapeutischen Maßnahmen verantwortlich bleiben.

In Zukunft wird es auch Apps geben, die auf Basis von Millionen Patientendaten und Künstlicher Intelligenz Laien helfen, Hautveränderungen zu scannen und mögliche bösartige Tumore zu erkennen. In einigen Jahren könnte es somit eine automatisierte Diagnostik von Hautmerkmalen für jedermann geben. Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Weg für derartige neue Technologien zu ebnen, aber gleichzeitig auch deren Möglichkeiten und Grenzen kritisch im Sinne der Versicherten und Patienten zu diskutieren.

Immuntherapien - eine neue Hoffnung für Krebspatienten
Als James P. Allison und Tasuku Honjo im vergangenen Jahr den Nobelpreis für die „Entdeckung der Krebstherapie durch Hemmung der negativen Immunregulation“ erhielten, schöpften Krebspatienten neue Hoffnung. Und das zu Recht. Ein bahnbrechender, ja revolutionärer Wirkmechanismus war geschaffen: Die Bekämpfung von Krebszellen über das körpereigene Immunsystem. Ihre Forschung legte den Grundstein für die klinische Entwicklung von so genannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die es spezialisierten Immunzellen ermöglichen, Krebszellen effektiver zu beseitigen. Nivolumab, Ipilimumab und Pembrolizumab – so heißen die drei heute am häufigsten eingesetzten Checkpoint-Inhibitoren.

"Nobelpreismedizin" gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Eine Therapie mit diesen intravenös verabreichten Medikamenten kostet jährlich im Schnitt 90.000 Euro. Sind diese Medikamente wirklich unsere neuen Hoffnungsträger? Alle drei Arzneimittel wurden bereits in den Innovationsreports der TK bewertet. Der Report begutachtet Wirkstoffe danach, ob die Therapie verbessert wird, ein Zusatznutzen für die Patienten gegeben ist und die Kosten des Medikamentes dem Grad der Innovation angemessen sind. Danach bekamen die Wirkstoffe in der Kategorie „patientenorientierter Zusatznutzen“ eine gelbe Ampel. Nivolumab hat eine gelbe Kostenampel erhalten, Pembrolizumab eine rote; für Ipilimumab gab es sogar ein grüne Ampel bei den Kosten.

Hinzu kommen die Nebenwirkungen: Sowohl Nivolumab als auch Pembrolizumab können dazu beitragen, dass der Körper eine Immunreaktion gegen sein eigenes Gewebe entwickelt (Autoimmunerkrankung). Dies kann zu einer Vielzahl von Nebenwirkungen führen, die bei einigen Patienten schwerwiegend oder lebensbedrohlich sein können.

Und obwohl auch die Behandlung mit Ipilimumab die Tumormasse des Melanoms verringern und die Überlebenszeit verbessern kann, ist es weniger wirksam als Nivolumab oder Pembrolizumab und wird vor allem in Kombination mit Nivolumab eingesetzt.
Neue Zulassungsstudien zeigen, dass unter Immuntherapie über 30 Prozent der Patienten mit metastasiertem Melanom inzwischen mehr als fünf Jahre überleben. Ähnlich sieht es bei der Auswertung unserer Patientendaten aus: Nach vier Jahren leben noch 35 Prozent der Patienten, die eine solche Therapie erhielten. Das sind im Vergleich zur klassischen Chemotherapie zwar deutlich verbesserte Zahlen, dennoch ist schwarzer Hautkrebs eine immer noch tödliche Erkrankung. Bei aller berechtigten Freude über die neuen Arzneimittel müssen die neuen Therapien erst noch zeigen, dass sie genauso gut sind wie in den Studien versprochen. Früherkennung und Sonnenschutz bleiben also weiterhin wichtig, um das Hautkrebsrisiko möglichst gering zu halten.

Prävention: Über sein Hautkrebsrisiko entscheidet jeder selbst
Auch die beste Therapie gegen Hautkrebs ist immer noch Ausdruck der verpassten Gelegenheit, dem Hautkrebs vorzubeugen. Hautkrebs ist weitestgehend vermeidbar, denn er ist in der Regel verhaltensbedingt. UV-Strahlung gilt als der häufigste Auslöser. Hautkrebs braucht, so schätzen die Experten, etwa 20 bis 30 Jahre, um sich zu entwickeln. Die Vermeidung übermäßiger UV-Strahlung – und das über das gesamte Leben – kann das Risiko an Hautkrebs zu erkranken deutlich verringern. Textiler UV-Schutz, das Auftragen von Sonnenschutzmitteln und das Vermeiden von exzessiven Sonnenbädern helfen der Haut, lange gesund zu bleiben und das Hautkrebsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Fazit: Neue Therapien müssen noch zeigen, was sie können – Sonnenschutz und Früherkennung senken das Risiko deutlich
Wir alle freuen uns auf den bevorstehenden Sommer. Doch sollten wir uns stets bewusst sein: Unsere Haut vergisst nicht, und jeder Sonnenbrand ist einer zu viel! Hautkrebs muss als Erkrankung, die unbehandelt tödlich sein kann, sehr ernst genommen werden. Die innovative Immuntherapie liefert vielversprechende Ergebnisse, aber nicht ohne Nebenwirkungen; schwarzer Hautkrebs ist inzwischen kontrollierbar, aber immer noch nicht verlässlich zu besiegen. Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen – zunehmend mit Hilfe moderner Diagnosetechnik – und ein bewusster Umgang mit der Sonne bleiben somit elementar wichtig und helfen, das Hautkrebs-Risiko deutlich zu verringern.

Mit unserem Hautkrebsreport wollen wir helfen aufzuklären und die Anzahl an Krebserkrankungen in Zukunft auf ein deutlich geringeres Niveau zu senken.

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